Neues Einsatzfahrzeug bei der FF GrafenwörthAltersschwach, reparaturanfällig und unpraktisch waren sie, die beiden alten Fahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Grafenwörth. Das KLF und das KRF-B (Bj. 1989 bzw. 1991) entsprachen schlicht nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Einsatzfahrzeug und hatten bereits grobe Probleme noch ein "Pickerl" zu bekommen - die Nachbeschaffung lag den Grafenwörther Kameraden verständlicherweise schon schwer am Herzen.
Bereits 2006 wurde begonnen durch Evaluierungen der Einsätze der letzten 5 Jahre und Sichtungen verschiedenster Konzepte sowie Auslotung der finanziellen Möglichkeiten die Ersatzbeschaffung zu planen. Relativ rasch stellte sich dabei heraus, dass die Beschaffung eines teuren KLF und KRF-B auf keinen Fall in Frage kam. Stattdessen sollte ein Kommandofahrzeug (KDOF) mit 9 Sitzplätzen zum Transport von Einsatzleitungsmaterial und der Feuerwehrjugend (Gurte!) sowie ein Versorgungsfahrzeug (VF) mit einer innovativen Rollcontainerbeladung beschafft werden. Das KDOF steht bereits seit November 2008 voll im Einsatzdienst und hast sich bereits mehrmals bewährt.
Für die Anschaffung des VF konnte dabei ein Konsens mit allen 5 Feuerwehren des Unterabschnitts Grafenwörth gefunden werden. Wie im Bedarfs- und Entwicklungskonzept der Feuerwehren der Marktgemeinde Grafenwörth verankert, soll das VF auch überregionale Logistikaufgaben bei Einsätzen wahrnehmen können und wird selbstverständlich auch von beiden Feuerwehrjugendgruppen des Unterabschnitts gemeinsam genutzt. In Absprache mit Bgm. Mag. Alfred Riedl wurde eine Änderung der Mindestausrüstungverordnung laut dem Bedarfs- und Entwicklungskonzept angestrengt - statt wie bisher drei Tanklöschfahrzeuge sind nun nur noch 2 vorgesehen mit insgesamt 1000l weniger Fassungsvermögen, dafür wurde im Gegenzug ein VF in die Mindestausrüstung aufgenommen und aus Mitteln des Landesfeuerwehrverbandes gefördert.
Das VF selbst bietet 7 Feuerwehrmitgliedern Platz und ist laut Baurichtlinie des ÖBFV beladen. Die Opel Movano-Pritsche mit 130 PS und Planenaufbau wurde von der Fa. Opel Auer Nutzfahrzeuge aus Stratzdorf geliefert und von der Fa. Dlouhy aus Tulln (bekannt für den Bau von Rettungsfahrzeugen) fertig umgebaut. Eine hydraulische Ladebordwand und eine selbstaufrollende Plane erleichtern dabei das Be- und Entladen des 3,5to-Fahrzeuges, dass etwa 1000kg Nutzlast erlaubt. Für die Sicherheit bei Verkehrsunfällen steht am Heck des Fahrzeuges auch in Kürze eine Heckwarneinrichtung Marke "LED-Trafficmaster" von Tritec Eurosignal zur Verfügung. Der ebenfalls von Tritec gelieferte Blaulichtbalken erlaubt durch einen integrierten Lautsprecher im Katastrophenfall ein effizientes Warnen der Bevölkerung sowie durch ein rotes und grünes Drehlicht die Kennzeichnung des Fahrzeuges als Einsatzleitstelle oder Atemschutzsammelplatz. Auch zwei Stück Atemschutzfunkgeräte, zwei Teile einer Steckleiter (die anderen beiden befinden sich auf dem Dach des RLF) und Warnwesten für die gesamte Mannschaft sind im Fahrzeug gelagert.
Für den Einsatzdienst steht im Feuerwehrhaus ein 8-teiliges Set aus verschiedenen Rollcontainern zur Verfügung. Alle bis auf zwei der Container wurden dabei von den Kameraden der FF Grafenwörth selbst entworfen und konstruiert. Die Ausrüstung auf den Containern ist dabei so flexibel wie möglich durch einheitliche Kistensysteme gestaltet um auch noch in 20 Jahren mit leicht anpassbarer Ausrüstung ausrücken zu können. Dabei sind zwei Container permanent auf dem VF verlastet (Ausnahme: umfangreichere Transportfahrten) - der Atemschutzcontainer beinhaltet alle Ausrüstungsteile, die ein Atemschutztrupp benötigt um als Sicherungs- bzw. Rettungstrupp operieren zu können, der Container "Absicherung" ist dagegen mit einem Stromerzeuger, Lichtflutern und Absperrmaterial sowie Ölbindemittel beladen. Die Container sind dabei so konstruiert, dass das Gerät von der Seite entnommen werden kann OHNE die Container vorher absetzen zu müssen - dadurch erspart man sich im Alarmfall Zeit, die durch das Absetzen der Container verloren gehen würde sowie die Suche eines geeigneten Platzes zum Absenken der Ladebordwand. Weiters stehen im Feuerwehrhaus noch die Container "Löschgruppe" (Schläuche, Armaturen), "Sturmeinsatz" (Motorsägen, Anschlagmittel), "Bergung" (Greifzug, Anschlagmittel, Verankerungen, schweres Werkzeug), "Wasserschaden" (Nasssauger, 2x UWP, Schläuche, Wathosen,...), "Atemluft" (30 Stück Atemluftflaschen 200bar) und "Transport" (ein Leercontainer) zur Verfügung. Auf einen Container mit Tragkraftspritze wurde dabei bewusst verzichtet, da die Aufgabe "Wasserversorgung" lt. Bedarfs- und Entwicklungskonzept anderen Feuerwehren im UA zufällt.
Natürlich bildet das Fahrzeug auch eine wertvolle Stütze bei Katastropheneinsätzen, wo es etwa bei Hochwasseralarm als eigenständige Einheit operieren kann und durch das Rollcontainersystem und die Ladebordwand ein kräftesparendes Arbeiten ermöglicht. Auch im Dienstbetrieb ist das Fahrzeug eine wertvolle Unterstützung bei div. Festen und Veranstaltungen, ohne die schon die Finanzierung des laufenden Betriebes unmöglich wäre. Bei Fahrten der Feuerwehrjugend zu Lagern oder Bewerben soll das Fahrzeug gemeinsam mit der FJ Feuersbrunn zum Transport von sperrigem Material wie dem Zeltgestänge genutzt werden. Weiters wird gerade im UA überlegt auch den gemeinsamen Atemluftkompressor auf einen Rollcontainer umzurüsten um das Fahrzeug im Einsatzdienst als ALF nutzen können und auch Mitglieder anderer Feuerwehren in die Bedienung des Fahrzeuges einzuschulen.
Die Einsatztaktik sieht dabei so aus, dass bei Einsätzen der Alarmstufe 1 grundsätzlich die Mannschaft von Rüstlösch Grafenwörth zuerst ausrückt und nach der ersten Erkundung das entsprechende Material nachfordert, welches dann von der wartenden Mannschaft im Haus verladen wird. Ab Alarmstufe 2 folgt das Fahrzeug unmittelbar dem RLF nach um schnell einen zweiten Atemschutztrupp bzw. zusätzliche Mannschaft und Ausrüstung für schwere Verkehrsunfälle vor Ort zu haben.
Die Kameraden der FF Grafenwörth sind davon überzeugt mit dieser Anschaffung eine zukunftsweisende und -sichere Investition getätigt zu haben. Für den Fall von sich ändernden Anforderungen, die sich durch rasch wachsenden Aufgaben der FF Grafenwörth bedingt durch permanenten Zuzug, Wohnungsbau, laufenden Betriebsansiedlungen und die stark zunehmende Verkehrsfrequenz auf der Schnellstraße S5 kann die flexibel gehaltene Beladung der Container schnell adaptiert werden, so dass auch eine künftige Nutzung als Fahrzeug für die Wasserversorgung bzw. als Vorausfahrzeug für die Schnellstraße schnell und günstig zu realisieren ist.

Foto & Text: Manfred Ploiner FF Grafenwörth

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